Ekmelily – Notation mikrotonaler Musik

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Ekmelily ist eine Erweiterung für LilyPond zur Notation mikrotonaler Musik im 72-stufigen temperierten Tonsystem (72-EDO, Ekmelisches System), sowie in den darin enthaltenen Sechstel-, Viertel- und Dritteltonsystemen (36-,24-,18-EDO).
Sie definiert Notennamen für alle Zwölfteltonstufen und unterstützt variable Notationen in Form von vordefinierten und benutzerdefinierten Notationsstilen. Jeder Stil verwendet einen bestimmten Satz von Versetzungs­zeichen für die Versetzungen bis zum Fünf-Viertelton. Siehe Versetzungen für Einzelheiten zu den Versetzungs­zeichen in den vordefinierten Stilen.

Ekmelily erfordert LilyPond ab Version 2.18. LilyPond ist ein freies Notensatzprogramm (Teil des GNU Projekts) zur automatischen Erstellung von Notendruck in hoher Qualität. Es läuft auf GNU/Linux, OS X, und Windows.

Siehe auch das Ekmelily-Projekt und Noten mit Beispielen für die Verwendung von Ekmelily, sowie die Ekmelos Schriftart.

Installation

  • Kopieren Sie die Datei ekmel.ily in einen geeigneten Ordner, z.B. "LILYPOND/usr/share/lilypond/current/ly", wobei mit LILYPOND der Installationsordner von LilyPond gemeint ist.
  • Kopieren Sie eine oder beide der Sprachdateien in den selben Ordner wie oben:
    ekmel-de.ily für deutsche Notennamen,
    ekmel-en.ily für englische Notennamen;
    siehe Notennamen.
  • Installieren Sie die Ekmelos Schriftart, wenn sie für die Versetzungs­zeichen in Ekmelily verwendet werden soll; siehe Schriftarten.

Verwendung

Fügen Sie folgende Zeile am Anfang Ihrer LilyPond-Eingabedatei ein (ggf. nach \language und ekmelicFont):

\include "ekmel.ily"

und optional danach einen der \ekmelic*Style-Befehle (oder auch beide) für einen vordefinierten oder benutzerdefinierten Notationsstil.

Vordefinierter Notationsstil

\ekmelicStyle STILNAME

Dies setzt den Notationsstil STILNAME. Die Voreinstellung ist arrow oder die Angabe mit der Kommandozeilenoption 1

-dekmelic-style=STILNAME

Die folgenden Stile sind vordefiniert (siehe Versetzungen für Einzelheiten zu den Versetzungszeichen):

  • arrowPfeil-Notation
  • rhmRichter Herf / Maedel-Notation
  • simsSims-Notation 
  • sagSagittal-Notation. . .
  • msagGemischte Sagittal-Notation
  • wysWyschnegradsky-Notation. . .. . .
  • goGould-Notation für Vierteltöne
  • gosGould-Notation für Sechsteltöne
  • gostGould + Stein / Zimmermann-Notation
  • stzStein / Zimmermann-Notation
  • stcStein / Couper-Notation
  • stvtStein / Van Blankenburg / Tartini-Notation
  • bosBosanquet Komma-Notation
  • fourZiffer-4-Notation
  • fernFerneyhough-Notation

Benutzerdefinierter Notationsstil

\ekmelicUserStyle MEINNAME #'((VERSETZUNG ZEICHEN …) )

Dies erzeugt einen benutzerdefinierten Notationsstil mit dem Namen MEINNAME, abgeleitet vom aktuellen Stil (üblicherweise ein vordefinierter Notationsstil).

Für jede angegebene VERSETZUNG wird ein neues Versetzungs­zeichen definiert, welches eine Verkettung von ein oder mehreren ZEICHEN ist. Für alle anderen Versetzungen, bei denen das bisherige Versetzungs­zeichen von VERSETZUNG in Kombination mit weiteren Zeichen vorkommt, wird dieses ebenfalls durch das neue Versetzungs­zeichen ersetzt.

VERSETZUNG muss eine Rationalzahl oder eines der vordefinierten Scheme-Symbole sein.
ZEICHEN muss entweder ein Unicode Codepunkt als Ganzzahl (z.B. #xE262), ein Zeichen-Literal (z.B. #\b) oder ein String (z.B. "bb") sein. Anm.: Die von der Ekmelos Schriftart unterstützten Codepunkte finden Sie in Ekmelos.pdf.
Wenn MEINNAME ein Leerstring ist (""), wird der Name des aktuellen Stils, erweitert mit -user, verwendet.

Zusätzliche Befehle

\ekmelicOutputSuffix
Setzt den Namen des aktuellen Notationsstils als Suffix des Ausgabedateinamens für den aktuellen \book-Abschnitt.
\ekmelic-style-name
Zeichnet den Namen des aktuellen Notationsstils als Markup.
\ekmelic-char #VERSETZUNG
Zeichnet ein Versetzungszeichen entsprechend dem aktuellen Notationsstil als Markup. VERSETZUNG muss eine Rationalzahl oder eines der vordefinierten Scheme-Symbole sein.
\ekmelic-fraction #VERSETZUNG
Zeichnet VERSETZUNG als Bruchzahl (vertikal angeordnet, nicht einfach ein String z/n), oder als Ganzzahl, wenn ihr Nenner 1 ist, mit einem separaten Minuszeichen für einen negativen Wert. VERSETZUNG muss eine Rationalzahl oder eines der vordefinierten Scheme-Symbole sein.

Notennamen

Ekmelily definiert Notennamen (Tonhöhennamen) für alle Zwölfteltonstufen, basierend auf den in LilyPond vorgegebenen deutschen und englischen Namen für Halbtöne und Vierteltöne; siehe die Tabelle aller Notennamen. Die verwendete Sprachversion hängt von der vorhandenen Sprachdatei ab:
ekmel-de.ily für deutsche Notennamen,
ekmel-en.ily für englische Notennamen;
oder wenn beide vorhanden sind, welche Sprache mit dem \language Befehl ausgewählt ist (dieser muss vor dem Einfügen von ekmel.ily angegeben sein): Mit "english" werden die englischen, mit jeder anderen Sprache die deutschen Notennamen gewählt. 2

Enharmonisch äquivalente Notennamen

Die Ein-Viertel- und Drei-Viertel-Tonstufen haben in einigen Notationsstilen wie arrow, rhm und sims zwei unterschiedliche, enharmonisch äquivalente Versetzungs­zeichen. Ekmelily definiert daher jeweils zwei Notennamen, z.B. cih und ciseh (deutsch) oder cqs und csaqf (englisch). LilyPond unterstützt jedoch nicht mehrere Versetzungs­zeichen für dieselbe Versetzung. Als provisorische Lösung haben die kombinierten Notennamen (z.B. ciseh oder csaqf) geringfügig abweichende Versetzungen und sind daher für Transponierung und MIDI-Ausgabe ungeeignet.

Schriftarten

Ekmelily benötigt eine Schriftart für die Versetzungs­zeichen (als eine Erweiterung zu LilyPonds Feta-Schriftart.) Bei Verwendung eines vordefinierten Notationsstils muss diese Schriftart konform zu SMuFL3 sein.

Voreingestellt ist die Ekmelos Schriftart. Eine andere Schriftart (z.B. Bravura) kann gewählt werden: entweder in der LilyPond-Eingabedatei vor dem Einfügen von ekmel.ily mit der Variable

ekmelicFont = SCHRIFTARTNAME

oder mit der Kommandozeilenoption 1

-dekmelic-font=SCHRIFTARTNAME

Beispiele

Dies setzt die vordefinierte Gould-Notation für Sechsteltöne (gos) und ändert sie in eine benutzerdefinierte Notation mit dem Tavener (byzantinischen) Kreuz- und Be-Zeichen (Codepunkte U+E476, U+E477) für die Vierteltonstufen:

\include "ekmel.ily"
\ekmelicStyle gos
\ekmelicUserStyle gouldTavener #'(
  (1/4 #xE476)
  (-1/4 #xE477))

Das gleiche Beispiel unter Verwendung der entsprechenden Scheme-Symbole:

\include "ekmel.ily"
\ekmelicStyle gos
\ekmelicUserStyle gouldTavener #`(
  (,SEMI-SHARP #xE476)
  (,SEMI-FLAT #xE477))

Dies wählt die englischen Notennamen und gibt die Sims Versetzungs­zeichen aus, die in der Bravura Schriftart definiert sind:

\language "english"
ekmelicFont = "Bravura"
\include "ekmel.ily"
\ekmelicStyle sims

Weitere Beispiele benutzerdefinierter Stile finden Sie in der Datei user-styles.ly.

Andere

Andere Erweiterungen für LilyPond zur Notation mikrotonaler Musik:
microlily (Sagittal-Notation) und HE-Lily (Helmholtz-Ellis Notation).

  1. abDabei erzeugt LilyPond eine Warnung "keine solche interne Option", die ignoriert werden kann. Warnungen lassen sich mit der Kommandozeilenoption --loglevel=ERROR oder --loglevel=NONE unterdrücken.
  2. Die deutschen Notennamen entsprechen jenen in Ekmelily Versionen vor 1.9 ohne Sprachdateien.
  3. SMuFL (Standard Music Font Layout) ist eine Spezifikation für Musiksymbole, entwickelt durch die W3C Music Notation Community Group. Sie verwendet die Unicode Private Use Area (PUA) in der Basic Multilingual Plane (BMP) ab Codepunkt U+E000.