Die Ekmelische Orgel

Die Ekmelische Orgel
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Um alle Töne des 72-stufigen ekmelischen Tonsystems auf einem Tasteninstrument realisieren zu können, entwickelte Franz Richter Herf eine elektronische Feinstufenorgel, die er 1973-74 nach eigenen Plänen baute. Die Orgel eignet sich für die Komposition, Einstudierung und Aufführung ekmelischer Musik, weiters zur Darstellung der Vorläufer unserer wohltemperierten Stimmung (mitteltönige Stimmungen) und außereuropäischer Tonsysteme, sowie zur Forschung auf dem Gebiet der Mikrointervalle.

Im Aufbau wie auch in der Funktion stellt die ekmelische Orgel den Prototyp einer neuen elektronischen Feinstufenorgel dar. Ihre Hauptbestandteile sind:

  • 6 Tongeneratoren,
  • 3 Manuale (mit den Klaviaturen, den Tastenkontakten und den zusätzlichen Drucktastenschaltern),
  • die Klangformung,
  • der Verstärker (mit dem Hallgerät),
  • und der Lautsprecher.

Jeder der 6 Generatoren erzeugt 12 Töne (Sägezahn) in 7 Oktaven (von C bis h5). Mit Hilfe eines Trimmpotis kann die Gesamtstimmung jedes Generators bis zu einem Dreiviertelton verändert werden. Ein zusätzlicher Vibrato-Generator ist dem Tongenerator angeschlossen. Die 3 Klaviaturen umfassen jeweils 7 Oktaven. Am hinteren Ende jeder Klaviaturtaste befindet sich, knapp darüber liegend, je nach Taste ein weißer oder ein schwarzer Drucktastenschalter. Diese Schalter werden mit den Fingern, mit denen man die Klaviaturtasten entlang nach hinten rutscht, betätigt. Jeweils zwei verschieden gestimmte Tongeneratoren sind über die Drucktastenschalter (einpolige Umschalter) mit den Tastenkontakten verbunden. Durch die Betätigung der zusätzlichen Drucktastenschalter (deren Stellung optisch angezeigt wird) ist es daher möglich, zwei verschiedene Töne mit derselben Klaviaturtaste zu spielen. Die in sich temperiert gestimmten Tongeneratoren differieren in ihrer Gesamtstimmung untereinander um 1/6 Halbton. Die mittlere Klaviatur ist normal (a = 440 Hertz), die obere um 1/3 Halbton höher und die untere um 1/3 Halbton tiefer gestimmt. In allen drei Klaviaturen kann durch die Betätigung des zugehörigen Drucktastenschalters jeder Ton um 1/6 Halbton erhöht werden. Durch nochmaligen Druck wird die ursprüngliche Stimmung der Taste wiederhergestellt. Der Halbton kann demnach sechsfach geteilt werden und es stehen in der Oktave 72 Töne und insgesamt in allen 3 Manualen 510 Töne zur Verfügung. Die Gesamtstimmung der Orgel kann außerdem angehoben und den heute üblichen Orchesterstimmungen angepasst werden. Die Klangformung enthält 6 Register (Hohlflöte, Principal, Fagott, Oboe, Hornschalmei und Trompete) für alle 3 Manuale, die auch gesondert registriert werden können. Da die Manuale 7 Oktaven umfassen (wie am Klavier), sind alle Register im 8' und keine weiteren Fußlagen vorgesehen. Die Lautstärke kann mit der Hand oder mit dem Fuß (Schweller) geregelt werden. Der Lautsprecher ist in einem eigenen Gehäuse untergebracht.

Spieltisch der ekmelischen Orgel

Am Klangformungsbrett befinden sich von links nach rechts: der Lautstärkeregler, die Registerschaltergruppe, der Regler für den Hall, der Umschalter für den Verstärker, der Vibratoschalter, 6 Drehknöpfe für die Gesamtstimmung der 6 Tongeneratoren und der Netzschalter mit der Kontrolllampe.

Das Spiel auf der ekmelischen Orgel erfordert eine neuartige Spieltechnik, die alle Klaviatur- und Drucktasten in den 3 Manualen mit einbezieht. Wegen des leichteren übergreifens von einem Manual zum anderen, liegen die Klaviaturen etwas schräg zueinander geneigt. Pedale sind nicht vorgesehen.

Die Orgel wurde nach über einjähriger Bauzeit im fertiggestellt. Die Bauteile stammen von der Firma Dr. Rainer Böhm & Co., Minden; die Drucktastenschalter wurden von der Firma Rudolf Schadow KG, Berlin, angefertigt. Herr Helmut Baron und Herr Georg Eberl, beide Salzburg, haben sich durch ihre Mitarbeit bei der Fertigstellung der Orgel verdient gemacht.
Es folgten eine öffentliche Vorführung der Orgel im ORF Landesstudio Salzburg und eine Rundfunkaufzeichnung, sowie Fernsehproduktionen in Österreich (“Kontrapunkt”, ORF, Salzburg, ) und Bayern (“Spielwiese”, ZDF, Fernsehstudio Unterföhring bei München, ).

wurde eine zweite ekmelische Orgel von Ing. Reinhard Hanel für die Hochschule Mozarteum Salzburg gebaut. Sie unterscheidet sich in einigen Punkten in der Bauweise:

  • Die 3 Klaviaturen umfassen jeweils 6 Oktaven (von C bis c4) und es stehen insgesamt 438 Töne zur Verfügung.
  • Die Generatoren erzeugen Sägezahn- oder Rechteckschwingungen.
  • Zwei Regler für Vibrato-Schnelligkeit bzw. -Intensität befinden sich rechts neben dem obersten Manual.
  • Ein Regler für den Hall-Anteil befindet sich rechts neben dem mittleren Manuals.